WAS IST GOUACHE EIGENTLICH?

MEINE ERFAHRUNGEN MIT EINER UNTERSCHÄTZTEN MALTECHNIK

Ein Fahrrad mit Gouache Von Vaida Bauzyte gemalt, etwa um 2000 in Litauen

Fahrrad, Gouache auf Papier, Vaida Baužytė

Wenn heute über Malerei gesprochen wird, denken viele zuerst an Öl oder Acryl. Gouache dagegen bleibt oft eher unbekannt. Dabei gehört sie seit langer Zeit zu den wichtigen klassischen Maltechniken und wird bis heute von Künstlern, Illustratoren und Designern genutzt.

In meiner Zeit an der Kunstakademie wurde überwiegend mit Gouache gearbeitet. Damals erschien das fast selbstverständlich. Erst später habe ich verstanden, warum diese Technik so praktisch und gleichzeitig so vielseitig ist.

Selbst Claude Monet oder Henri Matisse haben mit Gouache gearbeitet.

Was ist Gouache eigentlich?
Gouache ist eine wasserlösliche Farbe mit relativ hoher Pigmentierung. Anders als bei der transparenten Aquarellmalerei wirken die Farben deckender und matter. Die Oberfläche erscheint weich, ruhig und fast samtartig.

Die Technik bewegt sich irgendwo zwischen Aquarell und Acryl. Sie ist wasserlöslich wie Aquarell, besitzt aber eine stärkere Deckkraft. Gleichzeitig wirkt die Oberfläche meist natürlicher und weniger glänzend als Acrylfarbe.
Viele Künstler schätzen an Gouache besonders die direkte Arbeitsweise. Die Farbe trocknet schnell und erlaubt spontanes Arbeiten ohne lange Wartezeiten. Gerade dadurch entsteht oft etwas sehr Lebendiges und Unmittelbares.

Gouache wird manchmal unterschätzt oder als einfache Studienfarbe gesehen. Hochwertige Künstlergouache ist jedoch ein professionelles Material mit intensiven Farbpigmenten und hoher Farbqualität.

Maltechnik Gouache vergrößert
Ein Bild mit Gouache gemalt.

Selbstbildnis, Gouache auf Papier

Papier und Oberfläche
Bei Gouache spielt das Papier fast genauso eine Rolle wie die Farbe selbst. Besonders wichtig ist eine stabile Papierstärke. Je nach Oberfläche verändert sich auch die Wirkung der Farbe. Manche Arbeiten wirken ruhiger und weicher, andere lebendiger oder strukturierter.

Es gibt dabei kein richtig oder falsch. Unterschiedliche Papiere erzeugen einfach unterschiedliche Charaktere.
Früher habe ich teilweise sogar auf den Rückseiten von Plakaten gemalt. Gerade bei Gouache passt diese spontane und unkomplizierte Arbeitsweise erstaunlich gut zur Technik.

Meine Arbeiten sprühe ich später mit Fixativ ein, damit die Oberfläche geschützt wird. Mit Grundierungen experimentiere ich aktuell ebenfalls noch weiter.

Und keine Sorge wegen der Haltbarkeit: Einige meiner älteren Gouachearbeiten hängen seit Jahren sogar in einer Küche über Herd und Dunst und sind bis heute erstaunlich gut erhalten.

Jede Maltechnik verändert das Arbeiten
Jede Technik beeinflusst auch die eigene Haltung beim Malen.
Ölmalerei ist langsam und erlaubt viele Schichten, weiche Übergänge und langes Weiterarbeiten. Dadurch entstehen oft sehr tiefe und atmosphärische Bilder. Gleichzeitig braucht Öl Geduld, Platz und häufig auch Lösungsmittel.

Acrylmalerei trocknet deutlich schneller und eignet sich gut für größere Formate oder experimentelle Arbeiten. Die Oberfläche wirkt jedoch manchmal etwas härter oder technischer.
Gouache bleibt dagegen direkter. Entscheidungen entstehen oft intuitiver und spontaner. Genau das macht die Technik für viele Künstler bis heute so interessant.

Gouache auf Papier in der Ausstellung Monets Küste im Städel Museum Frankfurt

Jean Francis Auburtin, „Étretat. Die Porte d’Aval und die Aiguille“, um 1898/99. Gouache auf Papier.

Henri Matisse und die Papierschnitte
Besonders wichtig wurde Gouache bei Henri Matisse.
In seinen späten Jahren konnte er körperlich nicht mehr wie früher malen. Deshalb entwickelte er seine berühmten „Découpages“: mit Gouache bemalte Papierflächen, die ausgeschnitten und neu arrangiert wurden.
Diese Arbeiten gehören heute zu seinen bekanntesten Werken. Die matten und klaren Farben der Gouache machten genau diesen lebendigen Ausdruck möglich.

Woher stammt der Begriff „Gouache“?
Der Begriff „Gouache“ stammt aus dem Französischen. Das Wort leitet sich von „gouache“ beziehungsweise vom italienischen „guazzo“ ab und bedeutet so viel wie „Wasserfarbe“ oder „Pfütze“. Bereits in der Renaissance wurde die Technik verwendet, besonders für Entwürfe, Illustrationen und Studien.

Von Vaida Baužytė

MAI 2026